Donnerstag, 30. September 2010

Reisenotizen

Unter dieser Überschrift werden ich auf die kleinen Besonderheiten und Absurditäten eingehen, die einem Reisenden zu schaffen machen, ihn begeistern oder auch verwundern
Sicherheitskontrollen gehören zu den Stationen einer Reise, über die es wohl die meisten Absurditäten zu berichten gibt. In Deutschland wird mit schöner Regelmäßigkeit meine „Anti-Schnarchmaschine“ aus dem Handgepäck geholt und mit einem Wischtest auf Sprengstoff untersucht. Mein Hinweis, dass ein solches Gerät doch eher von unverdächtigen älteren Menschen mitgeführt wird, ließ den Kontrolleur unbeeindruckt. „Da ist Elektronik drin, außerdem noch zusätzlicher Raum und man kann das alles am Röntgengerät nicht gut erkenne.- Deshalb wird das grundsätzlich untersucht.“ So so. Und warum, frage ich mich, ist es nach den deutschen Bestimmungen erlaubt, ein Messer, dessen Klinge nicht länger als 6 Zentimeter ist, im Handgepäck mitzuführen?
Eine bislang unbekannte Variante hatte der Kontrolleur am Flughafen in Perth auf Lager. Er beanstandete die Reisedose mit Rasierschaum in meinem durchsichtigen Plastikbeuten. „Die Verschlusskappe fehlt. Entweder, sie setzen eine Kappe auf die Dose oder die Dose darf nicht mit.“ Ah ja!
Wir haben uns dran gewöhnt, dass Flüssigkeiten einzeln verpackt erst dann gefährlich sind, wenn es mehr als 100 ml sind. Aber dass man mit einer Plastikkappe auf einer Rasierschaumdose auch schon Anschläge verübt hat, ist mir neu. Ich nehme mir vor, das australische Innenministerium einmal dazu zu befragen.

Von Ayers Rock nach Perth

Schon wieder früh aufstehen. Um 5 Uhr klingelte der Wecker. Schnell duschen, ein Tee und dann ab zum Sunrise Lookout. Natürlich waren wir nicht die einzigen, die sich bei dieser Kälte auf den Weg gemacht haben. Das Thermometer in unserm Wagen zeigte gerade mal 12 Grad an. Aber viel wichtiger war, dass der Himmel vollständig klart war, keine Wolke würde den Blick und die Fotos trüben. Anders als beim Fotoplatz für den Sonnenuntergang ist an dieser Stelle ein kleiner Rundweg mit verschiedenen guten Aussichtsstellen und einer Plattform auf einem kleinen Hügel. Wir haben etwas tiefer einen schönen Platz gefunden mi einem abgestorbenen Baum im Vordergrund und den Olgas im Hintergrund. Es war auch angenehm, das hier nicht so viele Japaner versuchten, besonders originelle Fotos zu machen – die tobten alle auf der Plattform herum.
Es ist schon beeindruckend, wie kurz hier näher am Äquator die Dämmerung ist. Ratzfatz war der Felsen gut sichtbar und um kurz nach sechs wurden auf einmal Schatten sichtbar. Wieder einige Minuten Später leuchtete der Felsen dann in voller Pracht. Wie gestern der Sonnenuntergang ein schöner Moment.
Zurück im Ressort wollten wir eigentlich frühstücken, aber im Pioneer Outback Hotel verlangten sie für ein Frühstück 30 (!!) Dollar, also über 25 Euro. Dann eben abwarten und etwas später in einer Cafeteria etwas einfacher, aber zum halben Preis. Überhaupt Preise: das Pioneer Outback Hotel ist auch eine Art Jugendherberge mit Schlafsälen. Unser „Doppelzimmer mit 4 Etagenbetten kostete immerhin 125 Euro. alle anderen Übernachtungsmöglichkeiten sind in Yulara deutlich teurer. Die Preise sind zum Teil verständlich, denn die nächste Stadt (Alice Springs) ist fast 400 Kilometer entfernt. Außerdem gibt es nur dieses eine Ressort und deshalb sind die Preise eben dem Angebot angepasst.
Wieder eine neue Erfahrung bei den Sicherheitskontrollen am Flughafen. In Ayers Rock kann man ohne Probleme offenbar auch Lebensmittel und Flüssigkeiten mit an Bord nehemn. Bereits hinter der Kontrolle packte eien Familie ihre Taschen aus, es gab Kakao, Cracker mit Creme und Wurst. Na gut. Dafuer wurde fast jeder Passagier auf Sprengstoff getestet. "Und, finden sie oft etwas?" fragte ich den Sicherheitsbeamten. "Aber sicher", lautete seine Antwort. Viele Farmer arbeiten mit Chemikalien, die als gefährlich gelten, manche Minenarbeiter, die mit Sprengstoff hantieren, haben natuerlich Spuren davon an Kleidung und Gepäck.
Der Flug war ruhig und ereignislos, es gab leckere Wraps und ein Stück saftige Pizza und schon waren wir in Perth. Wieder die Uhr um anderthalb Stunden verstellt und ab in die Haupteinkaufsstrasse. Merkwürdiger Weise machen die Geschäfte hier spätestens um 6 Uhr dicht. Dann beginnt ganz langsam das Nacht- und Kneipenleben.
Wir sind nach Northbridge gegangen, einem Studenten- Kneipenviertel. Hier trafen wir auf einen alten Bekannten. "Der Rufer" von Gerhard Marcks steht auch hier, zur Erinnerung an den ersten UN-Tag zum Gedenken an die Opfer der Folter.
Nach einem Strongbow dry im "Messing-Affen" haben wir und dann ein vietnamesisches Restraurant ausgesucht. Offenbar eine gute Wahl, denn der Laden füllte sich in kurzer Zeit. Nach dem langen Tag fing die Nacht für uns entsprechend früh an.

Von Cairns nach Ayers Rock

Zunächst noch ein Nachtrag von gestern. Wir haben uns den Luxus gegönnt und im Hotel Balinesisch, also Indonesisch gegessen. Eine Suppe aus grünen Papajas und gewürfeltem Fisch, Seafood in Curry-Kokosmilch bzw. ein fester Fisch mit einer speziellen Sauce. Es war alles ausgesprochen lecker, aber ob es am Essen oder an den zu kalten und zu hastig getrunkenen Getränken lag weiß ich nicht, auf jeden Fall endete der Abend mit Magenkneifen.
Die Nacht war kurz, denn um 5 Uhr klingelte der Wecker. in freundlicher Taxifahrer brachte uns zum Flughafen. Einchecken und Sicherheitskontrolle völlig easy. Wir durften zu Fuß ein Stück über das Vorfeld marschieren. Da es gerade etwas regnete, gab es sogar kostenlose Schirme von Qantas. Das Flugzeug war eine Boeing 717 mit 110 Sitzen,. von denen aber nur 18 besetzt waren. Also für jeden von uns war ein Fensterplatz garantiert. Kurz nach dem Start konnte man unter(!) uns einen fast kreisrunden Regenbogen sehen. Der zweieinhalbstündige Flug verlief völlig ruhig. Immer wieder erstaunlich, dass es plötzlich mitten im Nirgendwo ein paar Straßen, eine Ansiedlung von Häusern oder sogar einen asphaltierten Flugplatz gibt.
Und dann kam der große Fels, der Uluru, in Sicht. Es ist beeindruckend, wie dieser Monolith in der fast ebenen Landschaft aus dem Boden wächst, 40 Kilometer weiter sein Gegenstück, die Olgas, oder richtiger die Kata Tjuta. Nach der Landung haben wir unseren Leihwagen abgeholt und die Unterkunft angesteuert. Das „Outback Pioneer Hotel“ ist eine bezahlbare Anlage, vor allem mit Mehrbett-Zimmer und Etagenbetten. Für die eine Nacht reicht es auf jeden Fall.
In Ayers Rock sind es etwas über 20 Grad, strahlend blauer Himmel und ein flotter Wind. Angenehm. Endlich mal nicht schwitzen. Das kam dann etwas später, denn wir wollten unbedingt den großen Felsen nicht wie vor 6 Jahren im Nieselregen, sondern mal bei Sonnenschein umrunden. Ein 10 Kilometer langer Wanderweg führt einmal rundherum. Wir habe rund 2 ½ Stunden dafür gebraucht. Es ist atemberaubend, wie der unterschiedliche Blickwinkel auf diesen massiven Felsen das Bild immer wieder neu entstehen lässt.
Giselas scharfem Auge war es zu verdanken, dass wir eines der hässlichsten Tiere des Outbacks gesehen haben: einen Dornenteufel (Thorny Devil). Ein Reptil, wie aus Zeiten der Dinosaurier übrig geblieben. Nach der anstrengenden Wanderung noch eine Fahrt zu den anderen roten Felsen, Kata Tjuta. Je näher man kommt, desto imposanter wird die Größe dieser Blöcke.
Am späten Nachmittag haben wir uns dann mit über 100 anderen Touristen auf dem Sunset-Lookout versammelt, um den Felsen in all seinen Farbschattierungen zu erleben. Fast spannender war, den vielen Japanern dabei zuzusehen, wie sie sich und Uluru möglichst originell aufs Bild bekommen. Aber auch die Zahl unserer Bilder ist nicht gerade klein. Verständlich, haben wir dieses Schauspiel ja beim letzten Besuch verpasst.

Dienstag, 28. September 2010

Ein Tag in Cairns

Endlich mal wieder in einem richtigen Bett geschlafen – das war schon ungewöhnlich, wenn auch genau so bewegt, wie im Auto. Wann immer sich einer von uns bewegte, tanzte auch der andere auf und ab. Ein leckeres Frühstück auf der Hotel-Veranda und dann Helm auf und ab auf’s Rad. Schon am frühen Vormittag herrscht an der Esplanade reges Treiben. Gymnastik-Gruppen halten sich beweglich, Jogger ziehen ihre Runden und die ersten Schwimmer sind im öffentlichen Pool.Die ersten Geschäfte und Bistros sind geöffnet. Eines muss man unbedingt festhalten: hier in dieser Stadt kann man auf keinen Fall verhungern oder verdursten. In einem etwas zwei Kilometer breiten Streifen hin zur Marine gibt es eine unglaubliche Dichte von Bars, Kneipe, Restaurants und Imbiss-Läden. Auffallend auch heute Morgen sind die vielen Asiaten, die schon wieder durch die Straßen schlurfen.
Wir nutzen wieder dass offene W-Lan von Mc Donalds, um uns mit den Telefonen ins Internet einzuloggen, nach dem Wetter in Bremen 13 Grad (brrr, kalt), Cairns 28 Grad (aber 70 % Luftfeuchtigkeit) und Alice Springs 22 Grad zu sehen und ein paar Mails zu lesen. Viel ist ja seit gestern nicht dazu gekommen.
Weiter geht es mit dem Rad zu einem großen Factory Oultlet. Wir kommen vorbei an jeder Menge Läden für Berufsbekleidung, wo ich bestimmt noch mehr schöne Warnhemden für stra0ßenbauarbeiter hätte kaufen können, vorbei an Outdoor-Läden, in denen wir nun nichts mehr kaufen müssen. Das Outlet-Center ist recht groß, viele Modemarken sind vertreten, aber es ist nicht wirklich etwas für uns dabei. Am Ende verlassen wir den Komplex mit einem neuen Utensil für die Küche: einem Tomatenschneider.
Inzwischen ist es Mittag und Zeit, die Räder abzugeben. Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir an einer riesigen Kolonie von „Flying Foxes“ vorbei (hier ein Video). Sie sehen aus wie große Fledermäuse, haben aber einen Kopf wie ein Hund. Sie sind etwa 30 bis 40 Zentimeter lang, haben eine große Spannweite und können recht gut fliegen. Sie schnattern in den großen alten Bäumen wie Vögel.
Der Rest des Tages ist angefüllt mit abkühlen und ausruhen am Pool und Reisetaschen packen. Schließlich geht es morgen recht früh weiter nach Ayers Rock. Es ist schon erstaunlich, wie viele unbenutzte Sachen wir mitgenommen haben.
(Gisela will nicht nach Hause)

Montag, 27. September 2010

Von Ellis Beach nach Cairns

So, das war die definitiv letzte Nacht in unserem kleinen Campervan. Nach den ersten Reibereien haben wir uns doch an dieses Vehikel und seinen begrenzten Raum gewöhnt. Aber erst mal am Morgen ein Bad im Meer zum Sonnenaufgang, ein ausgiebiges Frühstück und dann alles zusammenpacken. Was an Lebensmitteln übrig geblieben ist, einschließlich zweier Bücher, haben wir unseren Zeltplatz-Nachbarn, drei jungen Leuten aus Deutschland geschenkt. Sie bleiben noch eine Weile in Australien und deshalb ist das sicherlich eine willkommene Morgengabe.
30 Kilometer noch bis Cairns, die Hauptstadt des Bundesstaates Queensland. In unserem Hotel , dem "Bay Village", liefern wir erst mal unser Gepäck ab und machen dann noch eine kleine Rundtour. Gisela hat den Lake Morris ausgesucht, das Wasserreservoir für die gesamte Stadt Cairns. Was wir nicht bedacht haben: es geht auf einer ausgesprochen schmalen Straße über zehn Kilometer direkt herauf in die umliegenden Berge auf über 600 Meter Höhe. Aber es hat sich gelohnt: ein atemberaubender Ausblick auf die Stadt und die Bucht und später dann ein gemütliches zweites Frühstück am Stausee.Zurück in der Stadt haben wir uns dann zwei Fahrräder organisiert und dann den Camper zum Vermieter Maui gebracht. Natürlich vorher noch ein Besuch in der Waschanlage, um die letzten Spuren des Outbacks zu beseitigen. Alles war in Ordnung und wir haben sogar das Geld für eine der beiden Reifenreparaturen zurück bekommen. Unsere gesamte Fahrtstrecke: 4.878 Kilometer.
Auf der Rückfahrt zum Hotel sind wir dann bei „Ocean World Seafood“ vorbeigekommen. Diesen Fischladen hatten wir schon bei unserer letzten Reise nach Cairns vor 6 Jahren kennen gelernt und es hatte sich wenig geändert: leckerer frisch zubereiteter Fisch und Austern von beeindruckender Größe und Güte zu vertretbarem Preis. Dann im Hotel eingecheckt, das Gepäck auf unser großes Zimmer geschafft und erst mal im Pool abgekühlt. Die 31 Grad machen sich schon bemerkbar.
Am späteren Nachmittag dann eine Ausfahrt am „Strand“ entlang in die Stadt. Strand in Anführungszeichen, weil es so etwas hier eigentlich nicht gibt. Dem Land vorgelagert ist ein schmaler schlammiger Streifen, den zu durchwaten wirklich nicht angeraten ist. Dafür liegt direkt am Wasser ein wunderschöner Grünstreifen mit öffentlichen Grillstationen, Spielplätzen und direkt beim Hafen mit einer großen öffentlichen Plansch- und Badelandschaft. Wir waren gerade rechtzeitig am Hafen, umd die Schiffe einlaufen zu sehen, die raus zum Barrier Reef fahren. Große Katamarane, mit einer unglaublichen Zahl von Menschen an Bord. Wenn man sich vorstellt, dass die alle gleichzeitig ins Wasser springen und schorchelnd nach Fischen suchen….. Wir haben auf jeden Fall beschlossen, keinen solchen Ausflug zum Tauchen zu machen. Unsere Erfahrung von 2004 haben wir nicht vergessen.
Cairns ist schon eine recht große Stadt mit über 100.000 Einwohnern. Entsprechend brummt das Leben. Das liegt aber sicher auch an den zahlreichen Touristen aus dem In- und vor allem dem Ausland. Vor allem für die Asiaten ist das ein lohnendes Ziel, weil es nicht allzu weit von den Korea, Japan und China entfernt ist. Entsprechend der Touristenzahl ist auch das Angebot an Geschäften, und Restaurants recht groß. Wir haben den Food Court heimgesucht, eine gemeinsamer Imbissfläche mit vielen Garküchen rund herum. Neben den vielen asiatischen Angeboten immerhin auch ein „The Healthy Grill“. Hahaha. Großes Kino ist auch, an der Hauptflaniermeile zu sitzen, ein kühles Getränk in der Hand zu halten und den vorbeiziehenden Menschen zuzusehen.
Übrigens: bei Mc Donalds sind wir mit unseren Ierfonen kostenlos ins Internet gekommen und haben erst mal gesehen, was heute Vormittag für ein Wetter in Bremen herrschte. Bei uns kommt kein Neid auf ;-)


Wir haben noch zwei Nächte und dann geht es weiter nach Ayers Rock. Die Wetteraussichten sind gut. etwa 10 Grad in der Nacht und knapp 30 am Tag. Das warme Jäckchen aus unserem Gepäck werden wir wohl nicht nötig haben.

Sonntag, 26. September 2010

Von Cooktown nach Ellis Beach

Zunächst gilt es noch, von gestern Abend zu erzählen. Wieder haben wir uns auf die Suche nach dem empfohlenen Restaurant „Shaddows" gemacht. Wieder sind wir falsch gelaufen, aber dann haben wir es doch gefunden. Ein kleines, recht versteckt gelegenes Restaurant mit ein paar Zimmern, in die man sich einmieten kann. Es wird geführt von einem männlichen Pärchen, die die Räume mit viel Liebe aber nicht immer treffsicherem Geschmack dekoriert haben. Es ist ein BYO, also „bring your own" Alkohol mit. Trotzdem bekamen wir illegal ein Glas Weißwein. Zur Vorspeise Knoblauchbrot und Garnelen in leichtem Tempurateig frittiert. Hauptspeise war ein Baramundi-Filet mit Lemonbutter-Sauce und ein Blue Salmon „Cajun Style". Dazu jeweils ein kleiner leckerer Salat. Und ohne Nachtisch geht nix, also noch eine Creme brulee. Zum Schluss hat uns der Koch noch seinen Hausfrosch vorgeführt. Ein quietschgrünes Tier, dass ihm eine Grille aus der Hand fraß!
Heute Morgen noch mal eine kurze Rundfahrt durch den Ort. Es gibt noch ein paar traumhafte unbebaute Grundstücke und auch ein rattenscharfes Haus am Hang mit unverbaubarem Seeblick zu kaufen. Leider wird am Weg zum Lookout-Hill gebaut und der botanische Garten – na ja, geschenkt. Also wieder ab nach Süden Richtung Cairns. Wir staunten nicht schlecht, als uns plötzlich ein Auto mit Warnblinkern, gefolgt von einer Meute Radfahrern, entgegen kam. Dieses Spiel wiederholte sich mehrfach. Es wurde das Cardic Rennen zum Palmers Roadhouse ausgetragen. Unglaublich, bei den Temperaturen und den vielen Steigungen mit dem Rad durch die Einöde zu düsen.
Zwischenstation war Port Douglas, ein fast schon mondäner Ort mit unglaublich vielen Geschäften, Hotels und heute am Sonntag auch mit einem Markt. Aber wie überall auf den Flohmärkten dieser Welt wird auch hier viel Schnickschnack und Schund neben nettem Schmuck und etwas Grünzeug angeboten. Welch ein Kontrast zu Cooktown. Obwohl nur 250 Kilometer auseinander gelegen ist Cooktown auf die Touristen vorbereitet, die sich in Massen in Port Douglas aufhalten. Hier ist auch Ausgangspunkt für alle möglichen Touren zum Great Barrier Reef, das von hier aus etwas schneller zu erreichen ist, als von Cairns.Weiter Richtung Cairns schlängelt sich die Straße am Meer entlang. Leider gibt es hier wenig Sandstrände, stattessen liegen Felsen im Wasser. Wir machen Halt an einem Aussichtspunkt, der von den Drachen- und Gleitschirmfliegern als Startplatz benutzt wird. Wir hatten Glück, denn nach kurzer Zeit war der Wind endlich so kräftig, dass die Hängegleiter starten konnten.
Nun noch ein kleines Stück und Ellis Beach, unser letzter Campingplatz für diesen Urlaub ist erreicht.- erliegt zwar an einem schönen Stück Sandstrand, aber dafür an der Hauptverbindungsstraße zwischen Cairns und Port Douglas. Die Autos rauschen definitiv lauter, als das Meer. Gisela ist ein wenig unglücklich ob der Platzwahl, aber wir werden auch das sicher überstehen. Außerdem soll es hier keine Mücken geben und dass ist auch etwas wert.

Ein Tag in Cooktown

Heute Nacht hat es kräftig geregnet, aber am Morgen sind die Handtücher, die auf der Leine hingen, schon wieder trocken. Der Wind ist kräftig, die Luft verhältnismäßig trocken. Auf jeden Fall war es gut, dass wir unser gesamtes Arsenal an Vorzelten aufgebaut hatten.
Ein Bad im Pool, Frühstück mit Apfel, Passionsfrüchten und Müsli – der ganz normaler Auftakt eines Camper-Tages. Wir haben unseren Reiseplan überdacht und beschlossen, eine weitere Nacht hier zu verbringen und den Urlaub langsam ausklingen zu lassen.
Also muss die Gegend erkundet werden. Doch als wir uns aufmachen, brennt die Sonne bereits kräftig und wäre nicht ein frischer Wind, es wäre nicht auszuhalten. Trotzdem sind wir schon nach kurzer Zeit nass geschwitzt.Unser Rundgang führ uns über den erstaunlich großen Friedhof, dessen Grabsteine bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück reichen. Viele Menschen sind sehr jung gestorben, einige Wenige aber auch über 80 Jahre alt geworden. Manche Grabsteine sind auch sehr mehrkwürdig:
Weiter durch ein Mangroven-Sumpf-Gebiet mit interessanten Pflanzen, kleinen schwarzen Schlamm-Krebsen, die durch unsere Tritte aufgeschreckt blitzschnell in einem der vielen Löcher im Schlamm verschwinden. Cooktown selbst ist eigentlich nichts anderes als eine lange Hauptstraße, breit genug für vier ordentliche Fahrspuren, aber Autos fahren auch hier nur sporadisch. Rechts und links in gepflegten Abständen alte Gebäude, die zum Teil aus dem Ende der Goldrausch-Ära im vorletzten Jahrhundert stammen. Heute ist auch Sporttag im Bowls Club und wir beobachten die weiß gekleideten meist älteren Damen und Herren, die ellipsoiden Kugeln über eine Strecke von 30 Metern rollen, um sie möglichst nahe bei einer kleinen gelben Kugel zu platzieren. Haben alle ihren Wurf gemacht, marschieren sie als geschlossene Gruppe auf die andere Seite, messen aus, wessen Kugel der kleineren am Nächsten gekommen ist und dann geht das Spiel von neuem los. Eine schöne Sportart für Senioren ;-) (Details hier)
Ein Stück weiter am Strandweg ist ein sehr bescheidener Flohmarkt aufgebaut. Es gib schreckliches Kunsthandwerk, frisches Gemüse und frisches Obst, eine Open-Air-Friseurin, leckeren Kuchen, asiatische Frühlingsrollen und einen Stand mit Aborigines-Kunst. Die Menschen sind sehr freundlich, suchen gerne das Gespräch und haben immer Zeit für einen netten Schnack. Weiter geht es zum „Restaurant 1870" (benannt nach dem Jahr des Goldrausches)am bescheidenen Anlegesteg für Fischereiboote. Gleich daneben stehen ein paar Angler mit der Hoffnung auf Makrelen oder Baramundi. Aber außereinigen kleinen Köderfischen können wir keine Beute entdecken. Als es schließlich an der Angel eines Jungen mächtig ruckelt, ist die Aufregung groß. Doch obwohl immer mehr Leine gegeben wird ist die Beute irgendwann auf und davon.
Wir wandern wieder langsam zurück, viel zu schlapp um auf den als besonders schönen Aussichtspunkt beschriebenen Hügel zu klettern. Stattdessen ein kühler Drink (Gingerbeer – nein, das ist kein Bier sondern eine leider etwas zu süße Limonade mit kräftigem Ingwergeschmack, herrlich erfrischend) und ein äußerst preiswerter Internet-Zugang. Die Einträge für die vergangenen Tage werden eingestellt, die letzten Internet-Ausgaben des Weser Kuriers herunter geladen(Danke MC). Dann noch ein letzter Fußmarsch bis zum Erfrischenden Pool auf dem Campingplatz. Der Rest ist Pause, Mittagsschläfchen, Zeitunglesen und Warten auf das Abendessen.

Samstag, 25. September 2010

Von Newell Beach nach Cooktown

Gestern Abend haben wir uns unseren frischen Baramundi gebraten. Ein Gedicht. Richtig lecker. in der Nacht mal wieder ein Regenschauer, aber wir hatten ja einen Standplatz unter einer Zeltplane.
Kurz nach unserem Start erreichten wir den Daintree River und haben dort erst mal eine Bootstour gebucht. Alles ganz öko – das Boot wurde elektrisch betrieben und hatte Solarzellen auf dem Dach. Der Kapitän hat sehr kompetent erklärt, was sich an Tieren und Pflanzen an und im Fluss befindet. Der tiedenabhängige Fluss wird von einem dichten Gürtel aus unterschiedlichen Mangroven gesäumt, alles ungeheuer grün. Mit seinen scharfen Augen entdeckte der Kapitän dann ein großes Krokodil (die zwei drei großen Männchen haben hier einen Namen. Wir haben „Scarface" gesehen, ca. 4 Meter lang, der ein Stück am Ufer entlang schwamm. Weiter gab es eine kleine Fledermaus, zwei verschiedene Arten von Fröschen und zwei verschiedene Baumschlangen (nicht giftig). Alles in Allem sehr interessant.
Weiter dann mit einer Seilfähre über den Fluss und rund 100 Kilometer endlich mal wieder eine Allrad-Strecke. An den wenigen Stellen mit Zugang zum Meer haben wir angehalten. Ein atemberaubender Strand, leider nicht zum Baden geeignet, denn erstens war Ebbe und zweitens sind auch hier die Croks zu Hause. Hier entdeckten wir auch einen gut einen Meter langen Waran oder L:izard, der sich durchs Unterholz schlängelte (nicht gefährlich). Diese Straße durch den dichten Regenwald wurde vorüber 20 Jahren in großer Eile gebaut, weil sich zunehmend Umweltschützer gegen das Projekt wandten. Entsprechend überhastet war die Planung. Deshalb führt die Strecken manchmal über atemberaubende Steigungen, die man nicht bei Regenwetterbewältigen möchte.
Unterwegs haben wir noch die Bloomfield Falls angeschaut. Ein atemberaubender Wasserfall, der in einen schönen großen Pool stürzte. Eigentlich ideal zum Baden. Auf dem Rückweg sahen wir dann, warum man das besser nicht tun sollte. Auf der anderen Seite lag ein richtig großes Krokodil und wartete offenbar auf leichtsinnige Touristen.
Später passierten wir ein winziges Dorf, in dem an diesem Wochenende ein großes Musikfestival stattfand. Offenbar eine Mischung aus Hurrikane und Wacken Open Air. Dann schließlich wieder Asphalt und Ankunft in Cooktown, der nördlichsten „Stadt" in Queensland. Hier sitzen wir nun auf einem 4-Sterne-Campingplatz. Schwimmbad, Campingküche, Duschen und Toiletten sind sehr ordentlich.
Wir wollten zum Abendessen einer Empfehlung unseres Reiseführers Lonley Planet folgen und ein besonders gutes Restaurant aufsuchen. Aber bei unserem Marsch durch die Dunkelheit haben wir es nicht gefunden. Stattdessen gab es erst mal einen netten Plausch mit zwei Polizisten, die sich am Ortsausgang für eine Alkohol- und Drogenkontrolle aufgebaut hatten. Auf Drogengebrauch wird hier grundsätzlich kontrolliert, unabhängig von Alter oder Verdacht. Mit einem Testgerät wird ein Zungenabstrich genommen und nach vier Minuten kann man erkennen, ob alles in Ordnung ist, oder nicht.
Schließlich haben wir dann doch noch einen Platz zum Essen gefunden: den örtlich Bowl Club. Bowling ist hier etwas anderes als bei uns. Es wird im Freien auf einer Aschefläche gespielt und hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Boule. Das Lokal selbst war gut gefüllt, obwohl es eher den Charme eines Jugendherberge-Speisesaals hatte. Aber dafür war das Essen sehr gut und wir bekamen sehr schnell Kontakt mit einem Ehepaar aus Cooktown. Sie erklärten uns, wo denn nun das Lokal liegt, dass wir nicht gefunden hatten und buchten uns auch gleich einen Tisch für den kommenden Abend. Und noch ein Plus hatte der Bowl Club: es gibt eine Curtesy Bus, also einen Minibus, der die Gäste auf Wunsch von der Haustür abholt und wieder zurück fährt. Das ersparte uns einen langen Fußmarsch.

Von Mareeba nach Newell Beach

Unser Campingplatz war zwar ein wenig einfach in seiner Ausstattung, aber die Umgebung ist beeindruckend. Riesen große Granit-kugeln, ein natürlicher Pool, ein rauschender Bach. Der richtige Ort, um den Tag langsam anzufangen. nachdem wir alles gepackt hatten sind wir zu einem kleinen Spaziergang aufgebrochen. Unterwegs kamen die kleinen Felsenkängurus und ließen sich aus der Hand füttern. Niedliche Tierchen mit etwas zu kurz geratenen Oberarmen und einem langen, buschigen Schwanz. Beim Streit ums Futter konnte man sie ganz leises fauchen hören.
Nach einigen Kilometern und nur wenig Höhenunterschied waren wir wieder im Regenwald. Das Grün eine Spur saftiger, die Bäume größer und die Pflanzen dichter. An einer Baramundi-Fischfarm haben wir uns etwas Abendessen gekauft und dann Mossman angesteuert. Hier gibt es eine Gorge zu besichtigen und es werden Führungen durch den Regenwald angeboten. Außerdem lebt hier Jeremy Donovan, ein Didgeridoo-Spieler, den wir vor wenigen Monaten im Sendesaal bei einem Konzert gehört und gesprochen hatten. Leider scheint er jetzt in der Nähe von Brisbane zu leben. Doch zunächst zur Gorge: was für ein Schock, ein überfüllter Parkplatz, eine überfüllter Pendelbus und eine überfüllte Badestelle in einer breiten Schlucht im Regenwald. Nix wie weg. Gisela jammerte: „Ich will wieder zurück in mein Outback".
Also zur nächsten Station, dem Aboriginee-Kulturzentrum. Das klingt etwas hochtrabend , denn es ist nicht mehr als ein kleiner Ausstellungsraum mit Bildern und Boomerangs. Hier konnte man eine Führung buchen.
Anderthalb Stunden sind wir (noch ein weiteres Ehepaar mit Rosie, der Führerin, durch den Regenwald gegangen. Sie hat uns etwas über die Früchte und Bäume erzählt, von dem Leben ihrer Vorfahren und dem Leben der Aborigines jetzt erzählt. Es war zwar heiß und feucht im Wald und wir waren klitschnass, aber es ist eine beeindruckende Natur mit imposanten Bäumen. Im Gegensatz zum kostenlosen Besuch in der Gorge vorher war dies das Geld wert.
Jetzt sitzen wir in Newell Beach auf einem Campingplatz direkt am Meer. Die Sonne ist weg und es sieht nach Regen aus, deshalb haben wir uns für einen kleinen überdachten Stellplatz entschieden. Aber erst mal die Badesachen an und ab ins Meer. Eine leichte Brandung und sehr angenehme Temperaturen. Jetzt stecken unsere durchgeschwitzten Hemden und Hosen in der Waschmaschine und wir machen es uns ein wenig gemütlich.

Von Atherton nach Mareeba

Welch ein Kontrast: heute Morgen haben wir im feuchten Regenwald unter Palmen und Farnen gesessen und zum Glück das Frühstück erledigt, bevor wieder leichter Sprühregen einsetzte und nun haben wir unseren Campervan keine 100 Kilometer weit entfernt an einem kleinen Fluss auf einem trockenen, fast staubigen einfachen Campingplatz (Granite Gorge) abgestellt. Vom feuchten Tabelland in die eher trockeneren Niederungen. In der beginnenden Abenddämmerung konnten wir sehen, wie die Hügelketten an den Wolken kratzten. Dort waren wir heute Vormittag noch unterwegs. Ein Besuch galt dem Hypipamee-Krater. Ein großes, tiefes Loch in der Erde, das vor langer Zeit durch eine Gasexplosion entstanden ist. Daneben noch gleich ein Wasserfall.
Nächste Station auf unserem touristischen Programm war die Nerada Teeplantage. Dort werden hochmaschinell jede Menge Teesträucher von einer Erntemaschine abgefräst und die Blätter in einem industriellen Prozess zu fertigen Tee verarbeitet. Das alles hat nichts mit den Bildern von Tee pflückenden Frauen in den Hochlagen von Darjeeling oder Assam zu tun. Selbst größere Blätter werden hier mit verarbeitet, der Tee wird innerhalb einer Stunde fermentiert, die Trocknung dauert auch nicht besonders lang, Dann werden die Blätter klein geschreddert, Stengel und anderer Unrat entfernt und fertig ist die Teebeutel-Mischung. Völlig unromantisch. Aber der Tee schmeckt trotzdem.
Nächste Station waren die Malanda Falls. Völlig unspektakulärer Wasserfall neben der Straße, Aber wie die Australier so sind, die machen aus jedem Wasserfall oder Tümpel gleich ein Point of Interest. Hier soll es auch die Baum-Kängurus geben, aber die hatten offenbar ihren freien Tag und zeigten sich nicht.
Nächster Halt war der Curtain Fig Tree. Eine parasitäre Pflanze siedelt sich hoch oben in der Astgabel eines Baumes an, lässt seine Lianenwurzeln bis zum Boden wachsen, klammert sich dann um den Stamm des Baumes und wächst kräftig, bis der Baum schließlich erwürgt wird und abstirbt. Hier ist der Baum halb umgefallen und nun wachsen die Wurzeln der Würgefeige eben wieder nach unten. Das ganze sieht etwas spektakulär wie ein Vorhang aus Wurzeln aus, nur eben recht groß und hoch.
Die Tabellands sind so was wie der Frucht und Gemüseladen von Queensland. Hier wächst so ziemlich alles, nur nicht unbedingt zu dieser Jahreszeit. Mangos zum Beispiel gibt es nur getrocknet oder tiefgefroren. Avocado und Kürbisse dagegen haben Saison – und Erdbeeren. Deshalb hieß der nächste Stop „Shaylee Strawberry Products". Statt selbst zu ernten, haben wir fertig abgepackte Ware genommen und uns ein sehr leckeres Eis gegönnt.
Zu dem, was hier angebaut wird, gehören auch Erdnüsse. Also anhalten bei der Erdnuss-Farm Peanut Place. Leider keine Erntezeit und deshalb alle Sorten durchprobiert und dann Erdnüsse mit Wasabi- und mit Barbecue-Geschmack gekauft. Zwischendurch noch Bananen und zwei Passionsfrüchte in einem Hofladen erstanden.
Atherton ist eine wuselige kleine Stadt mit den typischen Läden, die an eine Westernstadt erinnern. Gisela hat vergeblich nach neuen Boots gesucht und ich habe mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und mit ein knatsch-gelb/blaues Poloshirt gekauft, wie es hier jeder Straßenarbeiter, Postbote oder Handwerker trägt.
Wieder eine Station weiter zu Jaques Coffee World. Das ist der Mann, der neben Kaffee-Anbau noch zwei Trikes und einen Gyrocopter bewegt. Kaffe e war erst mal Nebensache, denn Gisela durfte/wollte/konnte im Gyro mitfliegen (der Pilot war leider zu schwer für mich). Anschließend noch eine kleine Führung durch die Farm in einem offenen Bus. Man hätte das kurze Stück aber genauso gut zu Fuß ablaufen können. Dieser Farmer hat wirklich viel Pech gehabt und sich immer wieder hochgerappelt. Aus Tansania in den 80ger Jahren wegen der instabilen Verhältnisse ausgewandert, hat er in Australien mit dem Kaffee-Anbau eine neue Existenz aufgebaut. Als in der Rezension Ende der 80ger die Kreditzinsen bei 22 Prozent lagen, drehten die Banken den Geldhahn zu und die Familie musste Haus und Farm verlassen. Wenig später ein neuer Anfang mit 25.000 Kaffebäumen. Als sie gerade zum ersten Mal blühten, ordnete die Regierung einen Pestizid-Einsatz an, weil sich irgendwo angeblich ein Avocado-Schädling eingeschlichen hatte. Das Ergebnis: Alle Kaffee-Bäumen starben ab. Die Familie machte einen erneuten Anlauf und nun floriert das Geschäft (auch das mit den Rundflügen. Ein interessanter Besuch.
Schnell noch auf einen Sprung zur „Golden Drop Winery", wo aus Mango Wein und Sekt hergestellt wird. Kurzerhand ein paar Sorten durchprobiert und eine Flasche Mango-Sekt erstanden. Die Sonne stand schon bedenklich tief, als wir dann schließlich auf diesem etwas einfachen, aber idyllisch gelegenen Platz eintrafen. Um uns herum der Geruch von verschiedenen Lagerfeuern und fast zu unseren Füßen ein paar Queensland Rock Wallabies. Sie sind recht klein, haben sehr kurze Vorderarme und einen ganz anderen Schwanz, als die Kängurus und Wallabies, die wir bisher gesehen haben.

Dienstag, 21. September 2010

Von Undara nach Atherton

Welch ein Wechsel! nach ungefähr 20 Minuten Fahrt wurde der Wald dichter, die Bäume höher, die Büsche größer und das Unterholz dichter. Eindeutig – wir nähern uns der Küste, den Wetlands und dem Tabelland, dass sich durch viele und ergiebige Niederschläge auszeichnete. Aber davon später.-Nach dem Frühstück haben wir noch einen schönen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt am Caravan Park gemacht. Es ist immer wieder schön, wenn man einige Kilometer weit schauen kann. Dann aber los auf die Straße (Asphalt natürlich) in Richtung Nordosten. So ganz klar uns noch nicht,. wo wie übernachten sollten, denn es gab so viele Besichtigungspunkte in den nächsten 100 bis 150 Kilometern, dass die Auswahl schwer viel. Unser erster Stopp war an einem schönen Wasserfall. Der nächste halt in dem winzigen Dorf Millaa Milla, das schon lange die große Zeit der Holzfäller und Goldgräber hinter sich gelassen hatte. Ein Supermarkt der aber auch allen möglichen anderen Kram verkaufte (für die Bremer: eine Art Lotze mit Lebensmittelabteilung). Und ein äußerst liebevoll gemachtes Museum voller altem Gerümpel. Unglaublich, was dort für ein Gerümpel gesammelt worden war. Unvorstellbar auch, dass es so etwas in einem Dorf dieser Größe irgendwo in Deutschland geben könnte.
Ähnlich ist es mit den Touristeninformationen. Auch daran herrscht in den kleinsten Ortschaften kein Mangel und sie sind gut ausgestattet mit Informations- und Werbematerial aus der näheren und weiteren Umgebung. Ähnlich ist es mit den Büchereien. Während die Infos nahezu ausschließlich mit ehrenamtlichem Personal arbeiten, sind die Büchereien mit bezahltem Personal ausgestattet und haben eine ausreichende Bandbreite an Büchern und anderen Medien. In der Regel gibt es dort auch einen Internetanschluss mit ansehnlicher Geschwindigkeit und zu niedrigen Preisen. Auf diesem Gebiet ist Australien schon vorbildlich.
Nächste Station war eine Bio-Käserei etwas abseits der Hauptstrecke. Man konnte durch eine Scheibe beim Käse machen zusehen, etwas zu Essen zu bekommen und natürlich auch Käse kaufen. Statt Käse haben wir uns für Käsekuchen entschieden (Mango, Sizilianisch und Schoko). Himmlisch.
Wieder eine neue Station war eine große Molkerei, die auch leckere Schokolade verkaufte. Auch dort haben wir uns eingedeckt (Birte: sie wird bestimmt schmecken, denn der Rohstoff kommt aus der Schweiz. Wir haben aber noch nicht probiert). Wir kamen genau rechtzeitig, um dabei zuzusehen, wie die Kühe gemolken werden. Sie marschierten in eine Art Karussell und ab ging die Post.
Schon am späten Vormittag hatte es zu regnen begonnen. Erst wie aus der Sprühpistole ganz fein, dann immer stärker und zwischendurch prasselte der Regen auch mal auf die Windschutzscheibe und spülte etliches vom gelben Staub ab. Aber im Grunde fuhren wie die halbe Zeit in den Wolken herum.
Inzwischen sind wir dich bei Atherton in einem schönen grünen Caravan Park, der Regen hat aufgehört und es duftet überall nach irgendwelchen exotischen Blumen. Der Vorteil dieses Caravan Parks ist: hier gibt es kostenlosen Internetzugang. Also Gelegenheit weitere Geschichten online zu stellen und die wichtigsten Emails zu beantworten.

Von Cobbold Gorge nach Undara

Na, das war eine Nacht! gegen 1 Uhr begann es zu regnen und zwar nicht wenig. Bis ich begriffen hatte, dass die hintere Tür noch offen stand, war es zu spät: es hatte hereingeregnet. Außerdem trommelte der Regen hörbar auf Dach und Plane. Irgendwann stoppte der Regen und als morgens um halb sechs die ersten Vögel mit ihrem Konzert begannen, war der Himmel zwar bedeckt, aber es regnete nicht mehr. Die zweite Überraschung kam, als wir alles gepackt und verstaut hatten: der Motor drehte zwei, drei Mal, aber er sprang nicht an. Zwei Nächte ohne Strom war wohl für die offensichtlich altersschwache Batterie zu viel. Mit vereinten Kräften haben wir den Wagen dann zu einem anderen Camper geschoben, das Überbrückungskabel angelegt und schon lief die Kiste. Uns bleibt auch nichts erspart.
Bei gelegentlichem leichtem Nieselregen ging es dann Hügel auf und Hügel ab weiter. Durch den Regen war die Staubschicht auf der Straße aufgeweicht und entsprechend matschig. Hin und wieder schlingerte unser Auto trotz Allrad hin und her. Unterwegs noch ein Stopp an der Copperfield Gorge, einer merkwürdigen Basalt-Schlucht mit lehmig-gelbem Wasser und später eine Mittagspause an einer einsamen Tankstelle an einer genau so einsamen Straßenkreuzung.
Ziel des Tages war Undara. Das Gebiet wurde vor etlichen Jahren von Farmland in ein Naturschutzgebiet oder National Park umgewandelt. Grund ist der besondere vulkanische Untergrund. Hier gibt es – einmalig auf der Welt – Vulkan-Tunnel. Als vor 125 Millionen Jahren der Vulkan Undara ausbrach, floss die Lava bergab und breitete sich über 100 Kilometer weit aus. Dabei passierte es, dass die obere Lavaschicht abkühlte und unten drunter die Lava heißer und flüssiger blieb und wie in einem Tunnel weiter floss. Als der Nachschub vom eigentlichen Vulkan ausblieb, floss die dünnflüssigere Lava nahezu vollständig aus diesen „Tunneln" heraus. Heute sind davon noch etliche Kilometer erhalten bzw. bekannt. Mit einer geführten Tour geht es dann in diese 40 Meter breiten und bestimmt 30 Meter hohen Tunnel hinein. Unser Guide gab viele schlaue Erklärungen, von denen wir nicht immer alles verstanden haben, aber es war auch so beeindruckend. Auf dem Hin- und Rückweg noch ein paar Informationen zu den verschiedenen Bäumen und Sträuchern und ober Wallabies, Walleros und Kängurus. Ich habe leider schon wieder vergessen, woran man sie unterscheiden kann (ich glaube, unter anderem an der Ohrenform).
Zurück in der Dämmerung haben wir schnell in der Camping-Küche unser Hühnchen-Fleisch auf den Grill geworfen und lecker gespeist. Leider fing es schon wieder an zu nieseln. Deshalb wurden schnell wieder alle Sachen im Wagen verstaut. Zum Bericht schreiben, haben wir uns in den großen, überdachten Bar-Bereich zurück gezogen. Außerdem soll hier gleich Ken, einer der Guides, Schwänke aus dem Leben im Outback erzählen. Wir sind gespannt.
Übrigens: die Temperatur ist deutlich gesunken. Angenehme 20 Grad bringen uns jetzt nicht mehr ins Schwitzen. Wir ahnen so langsam, warum wir im Gepäck für alle Fälle ein warmes Jäckchen eingepackt haben.

Von Karumba nach Cobbold Gorge



Wie immer findet man auf einem Campingplatz hilfreiche Geister. In diesem Fall drei Angler, die einen kleinen Kompressor ausleihen konnten. Denn unter die Seite mit dem flachen Reifen hätte ich den Wagenheber nicht drunter bekommen. Also: Reifen aufgepumpt, Wagenheber drunter, aufgebockt und den Ersatzreifen eingewechselt. Abgesehen davon, dass ich anschließend dreckeig und durchgeschwitzt war, kein Problem. Obwohl es Sonnabend war, hatte eine Tankstelle mit Workshop geöffnet und wir bekamen den Reifen repariert und wieder ausgetauscht. Nun konnte es weiter gen Osten gehen.
Nächste Station war Georgetown. Eine Stadt mit dreihundert Einwohnern, drei Tankstellen und dem angeblich ältesten Store von ganz Australien, der noch in Betrieb ist. Eine echte Rumpelbude. Eine Mischung aus altertümlichen Store und Museum. Der Besitzer war etwas gesprächig und berichtete uns, das ein paar Straßenecken weiter ein …. Festival in Gang sei. Ein Viehgatter, in dem in der Mittagshitze ein paar Kinder Pferderennen auf Steckenpferden veranstaltet. Dann war da noch eine große Bühne für die abendliche Musikveranstaltung, drei Stände, an denen Cowboy-Zubehör, Schmieröl und Farmzubehör angeboten wurden. Das war’s.
Statt länger zu warten, was dort noch passieren würde, fuhren wir ein paar Kilometer an den Lake Belmore. Das ist ein kleiner Stausee, in dem wir wunderbar schwimmen konnten. In Georgetown, einer alten Goldgräberstadt, gibt es auch ein altes Museum und eine Ausstellung von zahlreichen Mineralien, die zum Teil hier in der Gegend gefunden wurden. Übrigens: Historische Stätten sind auch so ein Thema. Da wird gerne mal viel Gedöhns um wenig gemacht. Ein paar Tage vorher passierten wir eine empfohlene Besuchsstätte, an der wohl eine wichtige Fleischfabrik gestanden hatte. Übrig geblieben waren ein paar verbeulte Dampfkessel. Oder in Georgetown die Chinatown. Außer den uninteressanten Grundmauern des chinesischen Tempels war da nicht viel zu sehen. Na gut, wenn eben sowieso sonst nicht viel zu sehen ist, dann kann man auch um Kleinkram etwas mehr Aufhebens machen.
In Georgetown sind wir vom Savannah Way abgebogen und noch etwa eine Stunde auf unbefestigten Straßen hierher nach Cobbold Gorge gefahren. Endlich mal wieder eine abwechslungsreichere Strecke, Kleine Hügel, die auch mal einen Blick über größere Entfernungen erlaubten. Und hier passierte es dann: Regentropfen auf der Windschutzscheibe!!!!!!!!!!!!!!!!
Am Morgen hatten wir noch den üblichen strahlend blauen Himmel und eine leichte Brise. Dann entwickelten sich ganz kleine fluffige Wölkchen. Eine Wohltat für das Auge, mal nicht das ewige Blau zu sehen. gegen Mittag hatten sich die kleinen Wölkchen zu ansehnlichen Cumuluswolken entwickelt. Sie türmten sich nicht ganz so hoch auf, wie bei uns. Kachelmann hätte sie vielleicht als Blumenkohl-Wolken bezeichnet, aber ich würde sie eher als kompakte Wattebäuschchen beschreiben. Wieder eine Stunde später hatten sie sich zu Wolkenstraßen aneinandergereiht mit klar abgegrenzten Untergrenzen. Noch ein wenig später dann erste Vereinigungen, die schon etwas dunklere Farbe annahmen und in der Ferne konnte man schon Regenschleier erkennen. Und dann erwischten uns auch ein paar Tropfen. Aber erst, als wir hier unser mobiles Häuschen aufgebaut hatten fing es erneut an zu regnen. Also haben wir endlich unser Vorzelt heraus gekramt, Heringe in den Boden geschlagen und unseren persönlichen Sonnen- und Regenschutz aufgebaut. So konnten wir unser vorgestern erworbenes Steak ganz in Ruhe braten und verzehren.

Von Normanton nach Karumba

Zurück in der Zivilisation. Vorläufig müssen wir auf keiner Gravel Road mehr fahren, keine Ruckelei auf ausgefahrenen Waschbrettstraßen, fast ein wenig langweilig. Auf jeden Fall hat uns die Zivilisation wieder. Es geht über ganz flaches Land. Hier und da ein paar Tümpel, an denen langbeinige Vögel oder Rinder stehen. Man kann sich gut vorstellen, dass dieser Landstrich während der Regenzeit unter Wasser steht. Karumba hat eine gewisse bedeutung als Fischer-Stadt. Hier werden Prawns gefangen und natürlich Baramundi geangelt.
Und hier ist ein wichtiger Umschlagplatz für Zinn und Blei aus einer 354 Kilometer entfernten Mine. Dort wird das Erz zu Staub zermahlen, mit Wasser zu einem dickflüssigen Schlamm verwandelt und dann in einer 30 Zentimeter dicken Pipeline hierher transportiert wird. Angeblich ohne Pumpen, nur auf Grund des Gefälles. Den Gesetzen der Schwerkraft sei Dank. Hier in Karumba wird dem Schlamm das Wasser entzogen, es werden kleine Pellets daraus gemacht und die dann mit einem Transportschiff raus in den Golf von Carpenteria gebracht. Das Problem ist, dass dieser Golf sehr flach ist und die großen Frachter sich der Küste allerhöchstens auf etwa 35 Kilometer nähern können. Jedes Mal, wenn sie ein wenig Fracht aufgenommen haben, müssen sie ein Stück weiter raus ins tiefere Wasser, um auf die nächste Lieferung zu warten.
Müßig zu sagen, dass man auch hier an der Mündung des Norman Rivers nicht baden darf. Warum, das haben wir auf einer Tour mit dem „Ferryman" von den Norman River Cruises erfahren. Wir haben nämlich eine „Gulf Sunset Willife Cruise" gebucht. Zusammen mit ungefähr 20 anderen Touristen ging es ein Stück den Norman River hinauf, vorbei am Fischereihafen (haha) und an der Zinn-Verladestation. Dabei wurden die über uns kreisenden Raubvögel mit kleinen Fischen gefüttert. Außerdem konnten wir ein Seeadler-Paar beobachten. Auf dem Weg zum Sonnenuntergang raus in die Mündung dann endlich ein großes Krokodil am Strand. Es war etwa 4 Meter lang und sah schon sehr beeindruckend aus.
Die Sonne im Meer untergehen zu sehen ist für die Menschen aus Queensland etwas besonderes, denn nirgendwo als in Karumba ist das in ihrem großen Bundesstaat möglich. Sie können „nur den Sonnenaufgang an der anderen Küste sehen.
Obwohl es während der Bootstour ein paar Snacks (natürlich auch Prawns) gab, konnten wir doch der Versuchung nicht wiederstehen, Bramundi zu Abend zu essen. Ein in allen Reiseführern empfohlener Platz ist Ash’s Cafe, ganz in der Nähe des Campingplatzes. Fish and Chips heißt hier: zwei saftige Stücke Backfisch zusammen mit einem Haufen Pommes eingewickelt in Papier. Gegessen wird aus der Verpackung, mit den Händen. Eine sehr rustikale Art. Aber keine Frage: der Fisch war lecker. Zurück auf dem Campingplatz dann die Überraschung: wieder ein Reifen platt. Diesmal der rechte Hinterreifen. Die Konsequenz war eine etwas schiefe Nacht. Das war aber nichts gegen die zahlreichen neuen Mückenstiche, die wir uns hier eingefangen haben. Scheiß Viecher!

Freitag, 17. September 2010

Von Adels Grove nach Normaton

Eigentlich sollte unser heutiger Trip nur bis Burketown gehen. Diese Stadt(?) hat ihre besten Zeit schon viele Jahrzehnte hinter sich. Aber sie ist ein einzigartiger Ort, um die so genannte „Morning Glory“ zu beobachten. Dabei handelt es sich um eine manchmal über 100 Kilometer lange Wolkenwelle, die durch das Aufeinandertreffen von verschiedenen Luftmassen hauptsächlich im September entsteht. Sie sieht aus, wie eine schmale, scharf abgegrenzte weiße Welle am Himmel. (Ein Foto-Link wird hier noch eingebaut). Im kleinen Tourist Info wurden wir aber aufgeklärt, dass bei der momentan vorherrschenden Windrichtung nicht damit zu rechnen sei. Also: Weiterfahrt170 km bis nach Normanton.
Aber ganz so glatt hatte unser Start nicht begonnen. Schon bei unserem Besuch auf der Riversleigh Station hatte einer der Hinterreifen deutlich an Luft verloren. Wir haben ihn dort kräftig am Kompressor aufgepumpt und sind wieder zurück gefahren. Morgens dann die Bescherung: das Hinterrad war platt. Damit wir nicht an Ort und Stelle den Reifen wechseln mussten, haben wir uns auf dem Campingplatz einen Kompressor geliehen, Luft rein und dann schnell zur Werkstatt, die mit zum Campingplatz gehört. Dort wurde dann innerhalb von einer halben Stunde der Reifen demontiert, das Loch gefunden, geflickt und das Rad wieder aufgeschraubt. Gut, dass uns das nicht irgendwo in der Einöde passiert ist. Wir haben zwar ein Ersatzrad, aber solche Arbeiten sind nicht unbedingt unser Ding.
Die Fahrt nach Burketown beziehungsweise Normanton war sehr eintönig: gute Gravel Road, gelegentlich mal ein asphaltiertes Stück. Überwiegend brettflaches Weideland mit wenigen Bäumen. Es gab auch wenige Dinge zu sehen: die Leichardt Falls, eine unbedeutende Stromschnelle benannt nach dem deutschen Australienforscher Leichardt und das Burke & Wills-Camp Nr. 196. Hier haben die Forscher Burke und Wills Anfang des 19. Jahrhunderts ihr letztes, nördlichstes Camp aufgeschlagen und sich in der Rinde von mehreren Bäumen, die dort noch heute stehen, verewigt. Bis auf ein Mitglied der Expedition sind alle anderen kurze Zeit später gestorben.
Normanton hat eine große Bedeutung für die Baramundi-Fischerei und ist schon so etwas wie eine kleine Stadt. Mit beleuchteter Hauptstraße, zwei Campingplatzen, mehreren „Hotels“ und einigen Kneipen. Wir haben uns zum Abendessen für das „Purple Heart“ entschieden und Gisela hat endlich ihr Baramundi-Filet bekommen. In der Kneipe begann gerade ein Billard-Turnier, bei dem 22 Spieler, überwiegend Aborigienes, gegeneinander antraten.
Beim Spaziergang zurück sind wir auf Unmengen von Kröten gestoßen. Diesmal handelte es sich um die Aga-Kröte, oder wie sie hier genannt wird „Canned Toe Frog“ ein ursprünglich aus Südamerika hierher gebrachter Frosch, der einen Schädling auf den Zuckerrohr-Plantagen fressen sollte. Aber wie das so ist: die Kröte fraß den Schädling nicht, sie vermehrte sich und verbreitet sich nun wie eine Plage langsam über den Kontinent in Richtung Westen. Sie hat kaum natürliche Feinde und ist darüber hinaus auch giftig. Tiere, die sich den Frosch als Beute suchen, sterben unweigerlich. Es gibt ein paar hilflose Versuche, mit großen Sammelaktionen die Tiere zu beseitigen.

Das Leben auf einer Station

Ein Bild vom Fluss hinter unserem Campingplatz

In Australien heißt ein Bauernhof nicht etwa Farm, sondern Station und eine solche Station haben wir heute besichtigt. Sie liegt ungefähr 45 Kilometer vom Campingplatz entfernt. Die Station ist ca. 10.000 qkm groß und beherbergt etwas 20.000 Rinder. Sie gehört zusammen mit der Lawn Hill Station einer Gesellschaft, die sich zu 51 Prozent in der Hand der lokalen Aboriginies befindet. Die anderen 49 Prozent gehören der Minengesellschaft, die auf dem Gelände eine Zinkmine betreibt.
Auf Riversleigh war heute der große Tag für die Trainiees, die hier ihre Ausbildung als Jackeroo (australisch für Cowboy) bekommen und darüber hinaus viel für ihr künftiges Leben lernen sollen und können. Es ist der Versuch, der Jugend dieser sehr armen und etwas verwahrlosten Gemeinde eine Zukunft zu geben. Dieses Programm wurde vor 12 Jahren gestartet, als das Land den ursprünglichen Besitzern zurück gegeben wurde. Viel Land, ohne Tiere und natürlich auch ohne Geld. Inzwischen laufen die gemeinsam getragenen Stationen unternehmerisch erfolgreich und auch das Programm für die jungen Menschen hat einen sehr guten Ruf. Auf meine Frage, wie erfolgreich es ist, sagte der Geschäftsführer:“Als ich hierher kam, habe ich einen Jungen kennen gelernt, der schon zwei Mal versucht hat, sich umzubringen. Er lebt noch immer. Das zählt für mich als Erfolg.“
Aber zurück zum Geschehen auf der Farm, wo sich im Laufe des Vormittags die Verwalter von Nachbarfarmen, Vertreter der Minengesellschaft und eben Familienangehörige der Trainees versammelt hatten. Sie zeigten, wie gut sie (und ihre Pferde) in der Lage sind, die Arbeit auf einer Station zu bewältigen: vorwärts und rückwärts reiten, still stehen, seitwärts bewegen, dem Reiter dabei behilflich sein, ein Gattertor zu öffnen. Sie machten das mit großem Ernst, schick in Jeans, blauem Hem, manche mit Krawatte und alle mit einem großen Hut.
Nach einem leckeren Lunch (Steak, was sonst) wurde dann die Preisverleihung mit jeder Menge Reden eingeleitet. Beeindruckend, wie zwei Frauen, die dem Aufsichtsrat der Pastoral Holding Company (also der gemeinsamen Firma) angehören, kurz das Schicksal ihrer Eltern ansprachen, die Anfang des vergangenen Jahrhundert aus diesem Gebiet von der weißen Regierung deportiert worden waren.
Alles in Allem ein beeindruckender Tag.
Leider ist ein Hinterrad an unserem Wagen offenbar undicht. Es war schon ziemlich platt. Wir haben an der Farm Luft aufgepumpt und sind problemlos nach Hause gekommen. Morgen wollen wir den Reifen hier in Adels Grove Camp reparieren lassen.
Wir genießen noch einmal ein Bad im wunderschönen Wasser gleich neben unserem Standplatz.

Dienstag, 14. September 2010

Von King Fisher Camp nach Adels Grove

Heute, so waren wir vorgewarnt worden, sollte es wohl den schwierigsten Teil unserer Strecke geben. Ein Nachbar hatte uns erzählt, dass es mehrere spektakuläre Sanddurchfahrten geben würde und mindestens einer der Flussläufe mehr als einen Meter tief wäre. Eine holprige Strecke mit Vorsicht zu befahren, aber für uns machbar.
Trotzdem machte ich mir in der mal wieder sehr warmen Nacht so meine Gedanken und sah uns schon in diversen Sandlöschern festsitzen. Alles unnötig. Zwei Sandlöscher und ein etwas tieferer Fluss, aber nichts gegen die Strecke zu den Twin Falls. Zwischenzeitig konnte man sogar mit 80 km/h fahren. Wir brauchten allerdings trotzdem mit einer Pause an einem spektakulären Aussichtspunkt über vier Stunden für die ca. 170 Kilometer. Das lag aber auch an den 12 Viehgattern, die wir öffnen und hinter uns schließen mussten.
Jetzt sitzen wir in Adels Grove (Grove = Hain) auf einem großen schattigen Gelände. Die Anlage ist mit allem ausgestattet, was man sich wünscht: Bar, „Restaurant“, Shop. Aber viel wichtiger. Mit einem Fluss, in dem man schwimmen kann und in dem einen keine Krokodile anknabbern. Herrlich. Wir hängen uns in einen aufgeblasenen Autoreifen und lassen uns in dem Wasser hängen. Der Lawn Hill Creek ist ca. 10 Meter breit und an beiden Seiten mit Laubbäumen, Palmen und Bambus bewachsen. Nach dem Schwimmen wird die Wäsche gewaschen und dann ist erst mal Pause. Endlich mal ein bisschen Urlaub, also mal rumsitzen und nichts tun. In meiner Reisetasche liegen noch immer zwei ungelesene Ausgaben der ZEIT und ich habe erst einen, allerdings dicken Kriminalroman ausgelesen.
Aber bevor die Pause richtig anfangen kann, müssen erst noch die Bilder der letzten Tage herunter geladen und der heutige Blog-Eintrag geschrieben werden. Denn: HIER GIBT ES EINEN INTERNETZUGANG.

Von King Ash Bay nach King Fisher Camp

Vor der heutigen Strecke hatte man uns ein wenig Angst gemacht. „Viele Flussdurchfahrten und eine corrugated road, also eine Straße mit Waschbrett-Oberfläche. Die vielen Flüsse stimmten halbwegs, aber nur bei einer Durchfahrt war das Wasser etwas tiefer und wir sind gewaltig über kopfgroße Steine geholpert. Das mit dem Waschbrett hielt sich in Grenzen, man konnte lange Abschnitte auf dieser unbefestigten Straße mit 80 bis 100 km/h entlang brettern.Die Strecke selbst war recht eintönig. Mal gab es rechts und links der Straße kleine bis mittlere Termitenhügel, mal wechselte die Baumart, aber ansonsten keinerlei Abwechslung. Eigentlich hatten wir erwartet, dass wir kaum Autos begegnen würden, aber als uns innerhalb von 5 Minuten zehn Wagen entgegen kamen, kamen uns doch Zweifel, ob wir wirklich im Outback waren ;-)
Nach dem Aufbruch von dem sehr mit Anglern belebten Campingplatz mit einem lärmenden Stromgenerator und versehen mit weiteren ärgerlichen Mückenstichen steuerten wir Boroloola an. Hier leben rund 1.040 Menschen, davon 75 % Aborigines. Es gibt eine Schule, eine Gemeindeverwaltung, drei Tankstellen, zwei Supermärkte, einen kleinen Flugplatz und in der ehemaligen Polizeistation ein liebevoll gestaltetes Museum, dass ein wenig die Geschichte des Ortes aufarbeitet.
Trotz der guten Straße kommt man gerade mal auf einen Schnitt von 60 bis 65 Kilometern pro Stunde. Zum Glück haben wir die meiste Zeit die Sonne neben oder hinter uns, was das Fahren deutlich angenehmer, aber keineswegs kühler macht. Bei Temperaturen deutlich über 30 Grad schafft unsere Klimaanlage nur partielle Linderung. Nach knapp vier Stunden fahren wirüber die Grenze nach Queensland. Wenig später halten wir am Rasthaus „Hells Gate“. Im 19. Jahrhundert wurden Reisende aus Queensland hierher unter Polizeischutz begleitet, danach ging es auf eigenes Risiko nach Norden weiter. Zwei Zapfsäulen, ein staubiger Campingplatz, ein Kiosk und ein Imbiss – mehr ist Hells Gate nicht. Direkt daneben ist eine Landepiste auf der sich jemand an einem kleinen einmotorigen Flugzeug zu schaffen machte. Natürlich haben wir Kontakt zum Piloten aufgenommen. Peter Swanson kommt aus Perth und hatte, wie er sagte, lange und viel gearbeitet, etwas Geld beiseitegelegt und nun erst mal Lust auf eine langePause und einen langen Flug. Mit seiner fast 65 Jahre alten Cessna 140 hangelte er sich von Flugplatz zu Flugplatz durch – in etwa auf derselben Route, die wir fahren. Wir haben natürlich auch von unseren Flugabenteuern in Australien und Amerika erzählt.
Nach weiteren 100 Kilometern mussten wir vom Savannah Way abbiegen und 40 Kilometer auf einer einspurigen Straße mit einigen Sandlöschern fahren. Nach ungefähr 20 Kilometern kam ein Schild: Camp Ground closed. Das haben wir einfach ignoriert und sind weiter gefahren. Das war eine gute Entscheidung. Direkt neben dem Nicholson River liegt ein idyllischer Platz mit vielen großen Bäumen und reichlich Schatten. Von wegen geschlossen. Vor uns sind bereits zwei andere Camper angekommen und nach uns trifft auch noch eine Familie ein. Der wahre Grund ist: der neue Betreiber ist erst seit vier Wochen hier und hat eigentlich noch keine Zeit, sich um das Campinggeschäft zu kümmern.
In dieser Idylle könne wir den anstrengenden Tag mit gebratenen Hühnerbeinen, eine Scheibe Toast und Tomaten als Beilage gut beschließen.

Von Limmen River Fishing Camp nach King Ash Bay

Heute Morgen haben wir uns ein wenig geärgert, weil wir statt auf dem staubigen Campingplatz besser ein Stück weiter an den Butterfly Falls gecampt hätten. Dieser wunderschöne, natürliche Pool mit einer Toilettenanlage wäre genau die richtige Outback-Übernachtungsmöglichkeit gewesen. Na ja, wir hatten uns einfach auf unsere Planung fixiert und nicht flexibel reagiert. So konnten wir eben anderthalb Stunden nach dem Start in den Tag diese wunderschöne Oase genießen. Inzwischen hat der Verkehr deutlich nachgelassen: 5 Autos in anderthalb Stunden sind uns entgegen gekommen! Auf der unbefestigten Straße kommen wir gut voran. Hin und wieder eine sandige Stelle, manchmal eine kleine flache Wasserdurchfahrt. Nichts Spektakuläres.
Gegen Mittag erreichen wir Cape Crawford. Hier stößt der Savannah Way auf den Carpenteria Highway. Aber in Wirklichkeit gibt es dort nicht mehr als eine Tankstelle und einen Imbiss mit angeschlossenem Campingplatz. Und das ganze trägt den Namen „Heartbreak Hotel“. Wir gönnen uns eine Pause, einen kleinen Imbiss und ein Schwätzchen mit unseren beiden Tischnachbarn Levi und Murray. Sie kommen von der Walmallow Station, einer Farm rund 140 km entfernt. Sie haben heute ihren freien Tag und gönnen sich deshalb diesen langen Ausflug, um mal in anderer Umgebung ein leckeres Bier zu trinken und andere Menschen zu sehen. Die Farm ist 10.000 qkm groß und beherbergt zurzeit über 40.000 Rinder. Bewirtschaftet wird das alles von gerade mal 15 bis 20 Menschen. Levi ist der Gärtner, Murray der Dweller. Er kümmert sich um mehrere dutzend Wasser-Bohrlöcher, hält sie in Betrieb und bohrt an neuen Stellen nach Wasser, dass aus Tiefen zwischen 30 und 110 Metern gefördert wird. Für uns ein kurze, aufschlussreiche Infoveranstaltung über das australische Farmleben. Eigentlich wollten wir von hier aus einen Helikopterrundflug über „Lost Citiy“ machen. Das ist eine interessante Gesteinsformation, die nicht auf dem Landweg zu erreichen ist und so aussieht, wie eine Stadt mit vielen Hochhäusern aus Stein. Aber die Saison ist vorüber, werden wir belehrt und der Helikopter-Pilot ist vor zwei Wochen in lukrativere Gegenden umgezogen.
Zur Abwechslung können wir nun mit 110 km/h auf einer asphaltierten Straße gen Borroloola rauschen. Hier werden wir aber erst morgen vorbei schauen, denn das Museum ist am Sonntag geschlossen. Wir fahren stattdessen weiter nach King Ash Bay, einem „der“ Spots für Angler. Auf einem riesigen Campingplatz stehen jede Menge Camper mit Booten auf Trailern und man sieht schnell: hier dreht sich alles nur um den beliebtesten Fisch dieser Gegend, den „Baramundi“.
Das kleine Open Air-Restaurant füllt sich schnell. Heute ist Grill-Time und das bedeutet: für 15 Dollar gibt es wahlweise Lamm oder Beef mit gegrilltem Gemüse und eine schönen pampigen Sauce. Aber es schmeckt. Angler sind schon eine merkwürdige Spezies.

Von Mataranka nach Limmen River Fishing Camp

Der Campground hier an der heißen Quelle verlässt sich zu sehr auf die Attraktion der heißen Quellen. Keine vernünftige Spüle für’s Geschirrr und die Duschen haben schon bessere Zeiten gesehen.
Nach dem Frühstück noch ein kurzer Gang an den Fluss für Fotos, dann „on the road again. Erst noch ein Stück auf Stuart Highway und dann links ab auf den Roper Highway. Diese Straße ist auf dem ersten Stück eine einspurige Asphaltstrecke mit breitem, unbefestigtem Randstreifen. Innerhalb einer Stunde kommen uns tatsächlich acht Autos entgegen. Nach mehr als einer Stunde fehlte dann auch der Asphalt und wir hatten einen richtigen Outback Trail vor uns. Links und rechts stehen weitgehend trockene, niedrige Bäume mit viel lichtem Raum darunter. In dem trockenen Gras „wachsen“ jede Menge kleine und große Termitenhügel.Mittagspause ist im Roper Bar Roadhouse. Das klingt in der Beschreibung ganz großartig, weil es dort einen Supermarkt gibt, eine Tankstelle und natürlich was zu Essen. Tatsächlich ist das ein größerer Blechschuppen mit zwei Zapfsäulen und in der Tat einem kleinen Tante Emma-Laden, der aber neben Lebensmitteln auch ein bisschen an Kleidung und Werkzeug verkauft und so etwas wie das Zentrum für die in der Nähe lebenden Aborigines ist. Im Laden ist es fast schon wuselig, drei junge Frauen kümmern sich ums Geschäft, eine weitere brutscheln in der Küche einfaches Essen. Wir tanken noch mal nach und dann geht es auf den Savannah Way. Er ist eine Nuance einfacher und hat deutlich mehr sandige Stellen durch die man hindurch schliddert.
Am frühen Nachmittag erreichen wir das Limmen River Fishing Camp. Ein einfacher Platz mit sehr rudimentären Einrichtungen, aber dafür kostet der Stellplatz ohne Strom auch nur 10 Dollar. Etliche Angler haben sich hier für mehrere Tage niedergelassen. Wir stehen direkt am Fluss, aber leider dürfen wir nicht in oder ans Wasser, denn hier sind Krokodile. Also lassen wir uns Beine und Arme oben am Ufer zerstechen, denn die Mücken scheint nicht wirklich zu interessieren, dass wir uns mit dem stärksten (und wahrscheinlich auch für den Menschen giftigsten) Mückenschutz eingeschmiert haben. Na, das kann noch eine interessante Nacht werden.

Von Edith Falls nach Mataranka

Heute haben wir es entspannt angehen lassen. Nachdem uns wieder lautes Vogelgezwitscher geweckt hat, sind wir erst mal wieder in den wunderschönen großen Pool von Edith Falls gesprungen. Es ist einfach wunderbar, die 300 Meter bis zum Wasserfall und wieder zurück zu schwimmen. Anschließend haben wir uns für einen kleinen Marsch angezogen und sind zum Upper Pool gewandert. Es ist keine sehr anstrengende Strecke, aber es war trotz der frühen Uhrzeit bereits knuffig warm. Nach etwas mehr als 40 Minuten kamen wir an den Upper Pool. Herrlich, hier ohne Badezeug zu schwimmen. Wir waren rechtzeitig fertig, bevor die ersten Park-Besucher kamen. Nach einem ruhigen Frühstück hieß unser nächstes Etappenziel Katherine. Die „Stadt“ ist in zweierlei Hinsicht bedeutsam: hier hat die Idee von den Flying Doctors ihren Ausgang genommen und hier gibt es die größte „School of the Air“. Jeder kennt aus alten Australien-Berichten die Methode, Kinder auf entfernt gelegenen Farmen per Funk zu unterrichten. Heute hat das Radio ausgedient und stattdessen werden die Kinder über eine Satelliten-Computerverbindung mit Bild und Ton erreicht. Wir konnten einer Unterrichtsstunde folgen. Die Katherine School oft he Air hat ein Einzugsgebiet, das doppelt so groß ist, wie Großbritannien. Es gibt sogar Schüler im Ausland, wenn deren Eltern im diplomatischen Dienst, auf einer UN-Mission oder aus sogar mit ihren Kindern um die Welt reisen.
Katherine ist genau der richtige Ort, um noch mal die Vorräte aufzufüllen, um für die nächsten Tage unabhängig von Supermärkten zu sein. Milch, Äpfel, Tomaten, Wasser, Fleisch und Orangensaft stehen auf unserem Einkaufszettel. Eigentlich sollten wir hier auch einen neuen Feuerlöscher bekommen, aber leider hatte die vom Vermieter genannte Autowerkstatt geschlossen. Also fahren wir erst mal ohne weiter.
Noch mal rund 100 Kilometer und wir sind in Mataranka. Eigentlich hat dieses Dorf keinerlei Bedeutung, hätte nicht Leslie Elsey, eine Farmersfrau, vor annähernd 100 Jahren einen Roman über das Leben im Never, Never Land geschrieben. Ein Roman, der offenbar in Australien bekannt ist und der auch verfilmt wurde.Die zweite Besonderheit sind heiße Quellen, die schon vor dem zweiten Weltkrieg entdeckt wurden und nun „die“ Touristenattraktion sind. Aus dem Gestein strömt 34 Grad heißes Wasser in einen kleinen Pool mitten zwischen Palmen. Das Wasser fließt weiter in den nahegelegenen Fluss, der zum Glück frei von Krokodilen ist. Wir baden erst im Fluss und spüren die unterschiedlichen Wassertemperaturen. Im Pool selbst ist großes Rentner-Treffen. Sicher ist das Wasser gesund für alte Knochen. Na ja, auf jeden Fall ist es angenehm. Kurz vor Sonnenuntergang ist die Temperatur von 37 Grad am Tage etwas gesunken und wir können mal ohne zu schwitzen an unserem kleinen Campingtisch sitzen und im Schein unserer Stirnlampen Geflügelbratwurst, toasted Sandwich mit Käse und zum Nachtisch eine halbe Melone essen. Kaum waren wir fertig hoppelten zwei kleine Wallabys (Känguruhs) heran. Sie machten sich in sicherer Entfernung über die Reste unserer Melone her. (Wie war das noch?“Keine Wildtiere füttern, aber die waren ja ganz lieb.

Von Cooinda nach Edith Falls

Heute haben wir zum ersten Mal unsere Allrad-Ausrüstung gebraucht. Nach einem Stück auf dem Highway ging es links ab zu den Jim Jim Falls am unteren Ende des Kakadu NP. Die nächsten 60 Kilometer liefen recht flott auf einer sehr gut gepflegten Gravel Road, bis zu einem kleinen Kamp, wo ein älterer Herr im Schatten saß und auf Touristen wartete. Er verkaufte Karten für eine Bootstour zu den Twin Falls. Aber bis zu den Booten waren es ungefähr 50 Minuten Abenteuerstrecke. Sandige Stücke wechselten mit tiefen Spurrillen ab, die eine oder andere kleine und eine größere Wasserdurchfahrt (50 cm) mussten bewältigt werden und natürlich jede Menge Schlaglöcher und künstlich angelegte Hubbel. Dagegen sind die Schwellen zur Verkehrsberuhigung harmlose Bodenunebenheiten. Besonders witzig, dass nah zwei Dritteln der Fahrtstrecke zwei Mal auch Schilder auf diese „speed bumps“ hinwiesen. man sieht, auch in Australien kann der Schilderwald noch durchforstet werden.Schließlich erreichten wir die Twin Falls, wo wir zusammen mit fünf anderen Touristen in ein kleines Metallboot verladen wurden und wenige hundert Meter zwischen steilen Felswänden Richtung Wasserfall kutschiert wurden. Es gab noch Hinweise auf die vielen bösen Krokodile und dann wurden wir an Land gesetzt. Es begann ein kleiner, angesichts der Hitze aber doch anstrengender Marsch an den Felswänden entlang bis nahe an den im Moment noch wenig Wasser führenden Fall. Zurück machte der Weg über den Four-Wheel-Track schon fast richtig Spaß. Später zurück auf dem Highway übernahm Gisela das Steuer, denn mir vielen die Augen zu.
Nach einem Tee in „Marys Roadhouse“ am Ausgang aus dem Kakadu NP und dann noch schnell eine weitere Etappe zu den Edith Falls. Einem kleinen, idyllischen und einsamen Campingplatz an einem wunderschönen großen natürlichen Pool. Das tat gut nach dem heißen Tag.

Vom Lichtfield Park in den Kakadu Park

Unsere Tagestour hat uns heute vom Campingplatz Tumbling Waters im Litchfield National Park zunächst zu den Wangi Falls geführt. Von dort über Batchelor auf den Stuart Highway, dann über eine Abkürzung zum Arnheim Highway und dann über die Old Jim Jim Road nach Cooinda im Kakadu National Park.Sobald sich morgens die erste Dämmerung zeigt, beginnen die Vögel ihr Konzert. Die Bandbreite der Vogelrufe ist groß. Mitten drin das Kreischen der Pfauen, die auf dem Campingplatz zu Hause sind. So bald die Sonne aufgegangen ist, wird es merklich leiser. Dafür beginnen hier und da die Grillen (oder sind es Zikaden?) mit ihrem Gezirpe, dass in Deutschland mindestens den Einbau von Lärmschutz-Fenstern rechtfertigen würde.Kurz hinter dem Campingplatz führt eine unbefestigte Straße in den Lichtflied NP. Sie ist in hervorragendem Zustand. Umschalten auf Allrad ist nicht erforderlich. Die erste Station war eine kleine, vor 60 Jahren geschlossene Zinn-Mine. Dann weiter zu den Wangi Falls. Ein großer und ein kleiner Wasserfall stürzen rund 70 bis 80 Meter in einen großen Pool mit klarem Wasser. Ein beliebter Ausflugsort, aber zum Glück war heute nur wenig Andrang. Es tut gut, in dem angenehm temperierten Wasser zu schwimmen und sich am Wasserfall den Rücken massieren zu lassen. Hier treffen wir auch unsere beiden Schweizer, Kurt und Muriel, wieder. Sie haben schon das erste Abenteuer hinter sich: sie sind mit ihrem Camper im Sand stecken geblieben und mussten sich mit der Seilwinde selbst befreien.Weiter auf einer guten Asphaltstraße Richtung Batchelor. Das ist eine Ansammlung von zwei Tankstellen, einer Schmetterlingsfarm mit angeschlossenem Cafe, einem Supermarkt ein paar Häusern und einer Journalistenschule(!) Bevor wir dort pausierten, hatten auch wie unser kleines Abenteuer. Ein leichter Geruch nach einer Mischung aus Chemie und heißem Gummi stieg uns in die Nase. Er kam offenbar von einem vorausfahrenden Pkw. Ich vergrößerte den Abstand, aber plötzlich verschwand der Wagen vor uns in einer großen Qualmwolke.Der Fahrer lenkte auf den Seitenstreifen und die drei Insassen flüchteten aus dem Auto auf die andere Straßenseite. Man konnte sehen, dass unter dem Fahrzeug bereits ein paar Flammen züngelten. Teilweise vom Gras des Seitenstreifens, teilweise vom Auto selbst. Die drei jungen Leute hatten vor lauter Angst noch nicht mal den Motor abgestellt. Ich habe in ausreichendem Abstand angehalten,. den Feuerlöscher gegriffen und bin losgespurtet. Während ich mit zwei gezielten Pulverstößen aus dem kleinen Feuerlöscher den Brand bekämpfte, war Gisela genau so geistesgegenwärtig. Sie griff zur Kamera und dokumentierte den Zwischenfall. Zum Glück reichte die Füllung des kleinen Löschers, um die Flammen dauerhaft zu löschen. Wir haben dann einen der jungen Männer mitgenommen zur nächsten Tankstelle, damit er den Automobilclub benachrichtigen konnte. Und wir konnten uns gar nicht beruhigen ob unseres „heldenhaften“ Einsatzes.
Bei dem Versuch, die Abkürzung zur Arnheim Road zu finden, haben wir uns mächtig verfahren und mussten nach 30 Kilometern auf einer Sackgasse wieder umdrehen. Man muss sich schon auf die richtige Karte verlassen! Langsam wurde die Zeit bis zur Dunkelheit knapp. Also haben wir noch eine Abkürzung genommen über ungefähr 60 Kilometer unbefestigte Straße. Sie war ebenfalls in exzellentem Zustand, so dass wir mit Einbruch der Dämmerung in der Gagudju Lodge in Cooinda eintrafen. Das ist ein großer Campingplatz mi nahezu allem Zick und Zack, eine Bar, ein Restaurant, Pool….
Hier ist der Ausgangspunkt für beeindruckende Bootstouren auf den Yellow Waters. Viele und seltene Wasservögel, andere Vögel und natürlich auch große und kleine Krokodile kann man hier morgens oder abends vom Boot aus mit sachkundigen Erläuterungen sehen. Wir haben eine solche Tour bei unserem letzten Besuch im Kakadu NP bereits gemacht. Deshalb wollen wir morgen lieber früh aufbrechen zu den Jim Jim-Falls und den Twin Falls. Denn bei unserem letzten Besuch war der Track dorthin selbst für Allrad-Fahrzeuge gesperrt.