Samstag, 25. September 2010

Von Atherton nach Mareeba

Welch ein Kontrast: heute Morgen haben wir im feuchten Regenwald unter Palmen und Farnen gesessen und zum Glück das Frühstück erledigt, bevor wieder leichter Sprühregen einsetzte und nun haben wir unseren Campervan keine 100 Kilometer weit entfernt an einem kleinen Fluss auf einem trockenen, fast staubigen einfachen Campingplatz (Granite Gorge) abgestellt. Vom feuchten Tabelland in die eher trockeneren Niederungen. In der beginnenden Abenddämmerung konnten wir sehen, wie die Hügelketten an den Wolken kratzten. Dort waren wir heute Vormittag noch unterwegs. Ein Besuch galt dem Hypipamee-Krater. Ein großes, tiefes Loch in der Erde, das vor langer Zeit durch eine Gasexplosion entstanden ist. Daneben noch gleich ein Wasserfall.
Nächste Station auf unserem touristischen Programm war die Nerada Teeplantage. Dort werden hochmaschinell jede Menge Teesträucher von einer Erntemaschine abgefräst und die Blätter in einem industriellen Prozess zu fertigen Tee verarbeitet. Das alles hat nichts mit den Bildern von Tee pflückenden Frauen in den Hochlagen von Darjeeling oder Assam zu tun. Selbst größere Blätter werden hier mit verarbeitet, der Tee wird innerhalb einer Stunde fermentiert, die Trocknung dauert auch nicht besonders lang, Dann werden die Blätter klein geschreddert, Stengel und anderer Unrat entfernt und fertig ist die Teebeutel-Mischung. Völlig unromantisch. Aber der Tee schmeckt trotzdem.
Nächste Station waren die Malanda Falls. Völlig unspektakulärer Wasserfall neben der Straße, Aber wie die Australier so sind, die machen aus jedem Wasserfall oder Tümpel gleich ein Point of Interest. Hier soll es auch die Baum-Kängurus geben, aber die hatten offenbar ihren freien Tag und zeigten sich nicht.
Nächster Halt war der Curtain Fig Tree. Eine parasitäre Pflanze siedelt sich hoch oben in der Astgabel eines Baumes an, lässt seine Lianenwurzeln bis zum Boden wachsen, klammert sich dann um den Stamm des Baumes und wächst kräftig, bis der Baum schließlich erwürgt wird und abstirbt. Hier ist der Baum halb umgefallen und nun wachsen die Wurzeln der Würgefeige eben wieder nach unten. Das ganze sieht etwas spektakulär wie ein Vorhang aus Wurzeln aus, nur eben recht groß und hoch.
Die Tabellands sind so was wie der Frucht und Gemüseladen von Queensland. Hier wächst so ziemlich alles, nur nicht unbedingt zu dieser Jahreszeit. Mangos zum Beispiel gibt es nur getrocknet oder tiefgefroren. Avocado und Kürbisse dagegen haben Saison – und Erdbeeren. Deshalb hieß der nächste Stop „Shaylee Strawberry Products". Statt selbst zu ernten, haben wir fertig abgepackte Ware genommen und uns ein sehr leckeres Eis gegönnt.
Zu dem, was hier angebaut wird, gehören auch Erdnüsse. Also anhalten bei der Erdnuss-Farm Peanut Place. Leider keine Erntezeit und deshalb alle Sorten durchprobiert und dann Erdnüsse mit Wasabi- und mit Barbecue-Geschmack gekauft. Zwischendurch noch Bananen und zwei Passionsfrüchte in einem Hofladen erstanden.
Atherton ist eine wuselige kleine Stadt mit den typischen Läden, die an eine Westernstadt erinnern. Gisela hat vergeblich nach neuen Boots gesucht und ich habe mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und mit ein knatsch-gelb/blaues Poloshirt gekauft, wie es hier jeder Straßenarbeiter, Postbote oder Handwerker trägt.
Wieder eine Station weiter zu Jaques Coffee World. Das ist der Mann, der neben Kaffee-Anbau noch zwei Trikes und einen Gyrocopter bewegt. Kaffe e war erst mal Nebensache, denn Gisela durfte/wollte/konnte im Gyro mitfliegen (der Pilot war leider zu schwer für mich). Anschließend noch eine kleine Führung durch die Farm in einem offenen Bus. Man hätte das kurze Stück aber genauso gut zu Fuß ablaufen können. Dieser Farmer hat wirklich viel Pech gehabt und sich immer wieder hochgerappelt. Aus Tansania in den 80ger Jahren wegen der instabilen Verhältnisse ausgewandert, hat er in Australien mit dem Kaffee-Anbau eine neue Existenz aufgebaut. Als in der Rezension Ende der 80ger die Kreditzinsen bei 22 Prozent lagen, drehten die Banken den Geldhahn zu und die Familie musste Haus und Farm verlassen. Wenig später ein neuer Anfang mit 25.000 Kaffebäumen. Als sie gerade zum ersten Mal blühten, ordnete die Regierung einen Pestizid-Einsatz an, weil sich irgendwo angeblich ein Avocado-Schädling eingeschlichen hatte. Das Ergebnis: Alle Kaffee-Bäumen starben ab. Die Familie machte einen erneuten Anlauf und nun floriert das Geschäft (auch das mit den Rundflügen. Ein interessanter Besuch.
Schnell noch auf einen Sprung zur „Golden Drop Winery", wo aus Mango Wein und Sekt hergestellt wird. Kurzerhand ein paar Sorten durchprobiert und eine Flasche Mango-Sekt erstanden. Die Sonne stand schon bedenklich tief, als wir dann schließlich auf diesem etwas einfachen, aber idyllisch gelegenen Platz eintrafen. Um uns herum der Geruch von verschiedenen Lagerfeuern und fast zu unseren Füßen ein paar Queensland Rock Wallabies. Sie sind recht klein, haben sehr kurze Vorderarme und einen ganz anderen Schwanz, als die Kängurus und Wallabies, die wir bisher gesehen haben.

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